15 Jahre RollenWechsel
Kinokultur in Oldenburg von und für Lesben und Schwule


Der Anfang

"TOP 3 Filmprojektor: Beteiligen uns mit 1000 DM am Kauf eines Projektors für das Alhambra. Michael hat Lust Filmreihe zu organisieren.". Dies wurde am 16.10.1991 auf dem Plenum des Na Und e.V. protokolliert. Dass daraus die lesbisch/schwule Kinogruppe RollenWechsel entstand und seit nunmehr 15 Jahren einen aktiven Beitrag zur Kinolandschaft Oldenburgs leistet, hätte wohl damals kaum jemand geglaubt. Doch genau dies ist der Fall und Anlass für diesen Artikel und die Jubiläumsfeier am Sonntag, 4.11. um 16 Uhr im Hempels.

Die Kinogruppe des Na Und e.V. traf sich erstmalig am 10. Januar 1992 nach einem Aufruf in den Rosigen Zeiten (RoZ) Nr. 17 (Dez/Jan 1991/1992), der folgenden Wortlaut hatte: "Schon immer Interesse an Kino gehabt? An Filmgeschichte, Eisverkauf, Diskussionen, Geschlechterrollen, Plakatekleben? Dann bist Du richtig bei uns. Wir gründen nämlich eine Filmgruppe bei NA UND. Das Alhambra hat neuerdings vollste Ausstattung an Technik; die Möglichkeiten, Filme zu zeigen, sind also (fast) grenzenlos. [...] Bisher ist die einzige Vorstellung, daß ein regelmäßiges Programm stattfinden soll und eine gewisse Zusammenarbeit mit Filmriß aus dem Alhambra erfolgt. Ansonsten ist ziemlich alles offen, ob getrennt oder gemeinsam mit Schwulen und Lesben, welche und wieviele Filme...Erfahrung ist keine Voraussetzung, wichtiger ist die Lust.". Es folgte in der RoZ Nr 19 (Apr/Mai 1992) die Ankündigung der Premiere am 07. Juni 1992 "bei Sekt, Selters und Popcorn" mit "I heard the mermaids singing", sowie die Namensfindung der Gruppe, die nach Vorschlägen wie zum Beispiel "Rosa Bambi", "Manche mögen's warm", "Rosa Rolle" und "Pink Pictures" am 05.05.1992 auf RollenWechsel fiel.


Aus Popcorn wurde Holzkohle

Das erste Halbjahresprogramm der noch jungen Gruppe befand sich in der RoZ Nr. 20 (Jun/Jul 1992). Gezeigt wurden im Alhambra unter anderem: "Coming Out", "Salmonberries", "Im Himmel ist die Hölle los" und "Out of Rosenheim" zu einem Eintrittspreis von 4,- DM mit den neu angeschafften Projektoren aus ehemaligen DDR-Beständen. Doch schon bei den ersten Vorstellungen passierten so einige Pannen: es gab Finanzierungsprobleme, Popcorn wurde zu Holzkohle und Filmrollen wurden vermischt, so dass die Handlung nicht mehr nachvollziehbar war. Unermüdlich machten die tapferen RollenWechslerInnen weiter und warben in den darauf folgenden Ausgaben der RoZ kräftig um Verstärkung in Form von Publikum und Gruppenmitgliedern. Ganz spurlos gingen die Startschwierigkeiten jedoch nicht an der Gruppe vorbei: Ende 1992 wurde klar, dass der schwule Teil RollenWechsels wegfällt. Zu wenig kinointeressierte Schwule fanden sich für die kontinuierliche Mitarbeit. RollenWechsels Lesbenfraktion war allerdings überaus erfolgreich und schaffte es regelmäßig, ein niveauvolles und spannendes Kinoprogramm für Oldenburgs Lesben und andere interessierte Frauen und teilweise auch Männer auf die Beine zu stellen.

Die folgenden Jahre liefen dementsprechend wesentlich besser, hin und wieder meldete sich auch die schwule Fraktion der Gruppe mit einem Programm zu Wort. Besonderes Highlight: als Vorfilm wurden Teile der Tunten-Trash-Serie "Die drei Drachen vom Grill" von Ades Zabel gezeigt. Daran, dass es sich bei aller Kontinuität und hoher Qualität des Programms um eine ehrenamtlich agierende Gruppe handelt, erinnert zwar nicht gerade charmant, aber dafür umso deutlicher folgender Hinweis im Programmheft Juni 1995: "Außerdem haben wir nichts dagegen, andere mal zu bedienen, aber auch nichts dagegen, wenn ihr eure Kissen, Gläser, Aschenbecher mal selber wegräumt! Dank an die Frauen, die uns tatkräftig unterstützen!!".



Kooperationen, Preise und Highlights

Kooperiert hat RollenWechsel schon früh mit dem schwul-lesbischen Filmfest Bremen, das vom Kino 46 veranstaltet wurde. Filme wurden sowohl in Bremen als auch in Oldenburg gezeigt. Als Spielstätte diente auch das inzwischen nicht mehr existierende Kino Muwi. Zum Jahr 2000 hin zeichnete sich eine weitere Veränderung ab: statt eines monatlichen Films am Samstagabend sollte es zukünftig eine zweimonatlich stattfindende Filmnacht für Schwule und Lesben geben. Dies war auch der Zeitpunkt, ab dem RollenWechsel mit dem Medienbüro Oldenburg e.V. kooperierte. Die Filmnächte verliefen recht erfolgreich.

War bis zu diesem Zeitpunkt RollenWechsel eine Gruppe, die die meiste Zeit über aus jeweils einer Lesben- und einer Schwulenfraktion bestanden hatte, so folgte Anfang 2000 eine fast 6 Jahre währende Periode, in der RollenWechsel überwiegend von einer Person und wechselnden Kooperationen mit Oldenburger Kinoinstanzen betrieben wurde. In diese Zeit fällt auch das 10-jährige Jubiläum der Oldenburger Filmtage, das im April 2003 von Medienbüro, Gegenlicht, RollenWechsel, Filmriss und dem mobilen Kino bestritten wurde. RollenWechsels Engagement bestand in diesem Rahmen u.a. aus einer Filmreihe namens "Rosa Winkel im toten Winkel" zum Thema Homosexualität in der NS-Zeit.

Wurden bis dato noch Filme in eher provisorischen Spielstätten (Uni, PFL, Alhambra) gezeigt, wagte RollenWechsel nun endlich den Schritt in die Professionalität und es begann im November 2003 eine regelmäßige monatliche Filmreihe namens cineRosa im Kino "Cine k" in der Kulturetage. Dies wurde dadurch möglich, dass das Medienbüro Oldenburg e.V. begann, regelmäßig das "Cine k" in der Kulturetage zu bespielen.

Neu war im Mai 2004 die Einrichtung der Rosigen Kinoseiten als fester Bestandteil der RoZ. Hier wurde und wird bis heute das "lesbischwule und feministische Kinoprogramm in Oldenburg und umzu komplett und komprimiert" (RoZ Nr. 91 Apr/Mai 2004) dargestellt.
Solch kontinuierliches ehrenamtliches Engagement schreit förmlich nach einer entsprechenden Würdigung und ebendiese ließ dann im Jahr 2005, genauer gesagt am 26. Juni nicht mehr länger auf sich warten: Das Medienbüro Oldenburg e.V. wurde mit dem "Kinopreis des Kinematheksverbundes" (dotiert mit 5000€) für das Programm und die regelmäßigen und intensiven Kooperationen unter anderem mit RollenWechsel ausgezeichnet.


Namen

In 15 Jahren RollenWechsel haben etliche Menschen ihren Beitrag zu lesbisch/schwuler Kinokultur in Oldenburg geleistet und es wäre unmöglich, hier alle aufzuzählen. Um wenigstens ein paar Leute zu würdigen, möchte ich folgende nennen: Melanie Ahlers, Silvia Fiebich, Olaf Gräber, Maja Kremmin, Markus Pieper, Christoph Reiffert, Michael Sartorius, Meike Schleppegrell, Carsten Schuck. Aktuell besteht die Gruppe aus Robin Block, Andreas Gerbrand, Tim Jürgens und Lothar Zielasko.


Aktuelles

Einen "Teamwechsel bei RollenWechsel" gab es im April 2006, als die Gruppe sich personell veränderte und erweiterte. Das Programm wurde aber wie im bisherigen Modus so gestaltet, dass es gleichermaßen Lesben und Schwule ansprechen sollte. Dies wird sich ab der kommenden Saison jedoch erstmal ändern. Da momentan die Gruppe aus vier Männern besteht und Frauen sich leider kaum beteiligen, wurde beschlossen, vorerst überwiegend das schwule Publikum zu bedienen und die Gruppe wieder in zwei Fraktionen aufzuteilen. Weiterhin ist jedoch geplant, dass RollenWechsel wie bisher jeweils am Ende des Monats im "Cine k" einen Film zeigt. Gehofft wird jetzt aber auf die baldige Bildung einer "Lesbenfraktion", die entsprechende Filme in Eigenregie anbietet. Mehr dazu im Bereich "News" in dieser Ausgabe. Scheut Euch nicht, Euch zu melden! Wie es schon im ursprünglichen Aufruf 1991 hieß: "Erfahrung ist keine Voraussetzung, wichtiger ist die Lust.", gilt auch heute noch: Zeit und Tatkraft sind wichtiger als detaillierte cineastische Kenntnisse. Meldet Euch einfach per Mail an post@rollenwechsel.net