Cine k in der Kulturetage, Bahnhofstraße 11

Donnerstag bis Samstag, 23. bis 25. Februar 2006 um 20.30 Uhr



RollenWechsels cineRosa präsentiert im Februar fünf Frauen und ihre Lebens- und Liebeserfahrungen:

Katzenball

Regie: Veronika Minder
Schweiz 2005, 87 min, schweizer OmU



Katzenball ist eine Dokumentarcollage über fünf schweizer Frauen unterschiedlichen Alters, die eins gemeinsam haben: Sie lieben Frauen.

Johanna Berends ist eine imposante alte Dame, die verheiratet war und Kinder hatte, als sie in den 1950er-Jahren der Frau ihres Lebens begegnete; Liva Tresch, eine Fotografin, für die die Worte "lesbisch" und "schwul" zunächst etwas Monströses bezeichneten, bevor sie sich allmählich mit ihrer Identität anfreunden konnte und so etwas wie die Bild-Chronistin der homosexuellen Subkultur Zürichs wurde (viele der im Film verwendeten Fotos stammen von ihr). Die Modedesignerin Ursula Rodel nimmt den Standpunkt einer Künstlerin ein, die sich einer lesbischen "Szene" nie recht anschließen wollte; Heidi Oberli dagegen vertritt die Position der kämpferischen 1968er-Frauen, die ihr Anderssein nicht zuletzt auch politisch verstanden und im Kampf um die eigene Anerkennung auch einen Kampf um eine andere, freiere Gesellschaftsform sahen - manchmal mit, manchmal aber auch gegen die anderen "revolutionären" Bewegungen der 1960er- und 1970er-Jahre. Gleichsam den Rahmen des Ganzen liefert Samira Zingaro, die Jüngste der Gruppe, und die implizite Frage, wie es mit lesbischer Identität - oder vielmehr lesbischen Identitäten - in der Schweiz der Gegenwart aussieht.

Regisseurin Veronika Minder hat die Protagonistinnen - die älteste in den 1910er-Jahren geboren - nach ihren Lebens- und Liebeserfahrungen befragt und diese Interviews zu einem informativen, aber auch unterhaltsamen Essay über die Frauenbewegung und den Umgang mit lesbischer Liebe in der Schweiz während der letzten hundert Jahre verdichtet, ergänzt durch einige Off-Kommentare, die historische Hintergründe erläutern, und um Zeitdokumente über Homosexualität, Feminismus und Emanzipation. Sie berichten über ihre Beziehungen und Netzwerke, ihre Suche nach Identität und ihre oft geheimen Treffpunkte.

Dabei lebt der Film ebenso von dem Geschick, oft auch dem Witz, mit dem die Filmemacherin die Aussagen ihrer Protagonistinnen zusammen- und manchmal auch gegeneinander stellt, wie von der Ausstrahlung der Frauen, die sich erstaunlich freimütig vor der Kamera öffnen.

"Als Lesbe sehe ich mich als Grenzgängerin, die Menschen einander näher bringen kann. Es ist vielleicht eine Utopie, aber ich denke, dass es nach dem 11. September mehr Leute braucht, die zwischen den unterschiedlichsten Kulturen vermitteln können.".

Samira Zingaro

 

Beginnend bei der Frauenbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wird zunächst ein Blick auf die Blüte einer homosexuellen Subkultur in den Metropolen der "Roaring Twenties" geworfen; die Bilder von Marlene Dietrich, die in Sternbergs "Marokko" als "garçonne" im Frack auftritt, werden durch Berichten von Johanna Berends konterkariert, die davon erzählt, dass ihre Bekenntnisse, sich zu Frauen hingezogen zu fühlen, von ihrer Umwelt schlicht nicht ernst genommen wurden; wie hätte sie selbst dann diese Neigungen ernst nehmen sollen? Über die 1930er-Jahre, als das Erstarken des Faschismus im benachbarten Deutschen Reich die zarten Keime eines schwul-lesbischen Engagements für Anerkennung und Entkriminalisierung auch in der Schweiz erstickte, bewegt sich der Film allmählich in die 1950er-Jahre. Deren konservativ geprägtes Klima wird anhand von Archivmaterial vor Augen geführt; umso spannender werden die Berichte von Johanna Berends und Liva Tresch, die in dieser Zeit ihre eigene sexuelle Neigung vernehmen - Berends durch die Begegnung mit der "großen Liebe", Tresch durch den Kontakt mit der lesbischen Subkultur, die sich zumindest in den Städten (und auch da nur im Geheimen) erneut formierte und bunte Blüten trieb. Besonders die Berichte von Heidi Oberli führen dann hin zum Kampf um die Legalisierung homosexueller Lebensweisen in den 1960er-Jahren; wobei Oberli bisweilen durchaus augenzwinkernd die radikalen Postulate von damals ins Gedächtnis ruft: erste Schritte in die Öffentlichkeit auf einem Weg hin zu vorurteilsfreier Akzeptanz, der bis in die Gegenwart führt und, so die Protagonistinnen, noch längst nicht am Ende angekommen ist.


Die Regisseurin:

Veronika Minder:

Geboren 1948 in Spiez.
Studium der Kunstgeschichte an der Uni Bern, Lic. phil. hist.
1988-97 Geschäftsleiterin Cinélibre. 1988-99 Geschäftsleiterin des Kellerkinos und Kino Cosmos in Bern. Mitinitiantin der FrauenFilmtage Schweiz, der Zauberlaterne und des lesbisch-schwulen Filmfestivals Queersicht in Bern.

Filmography

2001 Kisten, Schachteln & Panamericana. Margrit Baumann – Fotoreporterin / 2005 Katzenball (beide Dokumentarfilme)


Preise:

Internationale Filmfestspiele Berlin 2005
Teddy Award (Bester Dokumentarfilm)

Queer Film Festival - identities 2005
Internationaler Jurypreis (Bester Dokumentarfilm)
Publikumspreis (Bester Dokumentarfilm)

Festival Internazionale di Film con Tematiche Omosessuali Torino 2005
Special Mention

Filmpreis des Kantons Bern
Bester Film 2005


Verleih

academy films
Filmdistribution
Stefan Paul und Kamran Sardar Khan GbR

Friedrichstraße 23 a
70174 Stuttgart

Tel +49 711 365 960-0
Fax +49 711 365 960-11

Email: info@academy-films.com


Links

Trailer zum Film

Website des Verleihs zum Film

Linkliste auf filmz.de

Biografie der Regisseurin Veronika Minder (PDF)


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