Cine k in der Kulturetage, Bahnhofstraße 11

Mittwoch bis Samstag, 29. März bis 01. April 2006 um 20.30 Uhr       
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RollenWechsel präsentiert im März eine Liebeserklärung an das Leben:

Simon

Regie: Eddy Terstall
Niederlande 2004, 104 min, OmU



Unkonventionelle Familien, Hasch-Handel, Homo-Ehe, Krebs und Euthanasie bilden den Rahmen für den holländischen Überraschungserfolg "Simon".

1988: Simon,der Besitzer eines Coffeeshops in Amsterdam, hat eine feste Freundin, schläft aber auch mit anderen Frauen. Der unbekümmerte Macho und Hasch-Dealer hat außerdem zwei Kinder in Thailand. Als er Camiel, einen Zahnmedizin-Studenten, mit seinem Jeep anfährt, nimmt Simon ihn lässig auf dem Rücksitz mit ins Krankenhaus. Damit beginnt die Freundschaft zwischen dem schwulen zurückhaltenden Camiel und dem super-hetero Simon.
Von Simon eingeladen kommt Camiel zusammen mit Simons Freundeskreis mit nach Thailand. Dort besucht er einen Filmdreh eines amerikanischen Vietnamfilms, in dem Simon der Stuntmen-Koordinator ist. Ihre Lebenswege verlaufen für diese Zeit weitgehend parallel und es entwickelt sich eine platonische Freundschaft: aber große Mengen Alkohol führen zu einem unerwarteten Seitensprung zwischen Simons Freundin Sharon und Camiel. Dann trennen sich die Wege von Camiel und Simon.

Vierzehn Jahre später begegnen sie sich durch Zufall wieder, aber vieles hat sich verändert. Simon hat Krebs im Endstadium und nur noch einige Monate zu leben, behandelt die Krankheit aber eher beiläufig; seine Kinder aus Thailand sind nach dem Tod ihrer Mutter nach Holland gezogen; die Frauen aus Simons Leben sind verheiratet mit anderen Männern und Camiel, mittlerweile praktizierender Zahnarzt, steht kurz davor seinen Lebenspartner, den Juristen Bram, zu heiraten.

Gerade der schüchterne Camiel ist fasziniert von Simon und erweist sich in dieser für ihn schweren Zeit als besonderer Freund. Er befreundet sich mit Simons 20jähriger Tochter Joy ond ihrem 15jährigen Bruder Nelson. Camiel erfährt aus nächster Nähe wie Simon und seine Angehörigen mit der Krankheit umgehen. Die Kraft und den Humor, den Simon ausstrahlt beeindrucken ihn tief.

Der Film dreht sich um Mitgefühl und Verständnis, als die zwei Freunde sich wieder treffen und Simon Sterbehilfe für sich in Erwägung zieht. Auch mit diesem schwierigen Themenumfeld erlaubt Terstall niemals, dass der Film schnulzig wird. Stattdessen bewahrt er sich einen komischen Unterton, besonders durch Simons geistreiche Bemerkungen und oft schwarzen Humor.

Intensiv und erschütternd, aber auch mit einer großen Liebe zum Leben thematisiert der preisgekrönte Film Abschied, Tod und Euthanasie.
Drei Dinge, die sicher schnell mit den Niederlanden assoziiert werden, sind Cannabis, Euthanasie und Schwulenrechte. Simon, die 2005er Oscar-Einreichung aus Holland, behandelt alle drei Themen. Der Film erzählt eine Geschichte vom Tod, vom Sterben und vom Abschied als streckenweise umwerfend heitere Liebeserklärung an das Leben. Terstall gelingt es, gesellschaftspolitische Themen auf eine brillante menschliche Weise zu behandeln.

Wo viele Filme, besonders amerikanische, die Geschichte so gesponnen hätten, dass Camiel AIDS hätte, leistet Terstall einen geschickten Wechsel dadurch, dass er den Hetero Simon den 'Camiel-Part' übernehmen lässt. Auf diese Art und Weise dramatisiert er die sozialen Angelegenheiten, die gerade aktuelles Thema in den Niederlanden sind:
Sterbehilfe und die Rechte homosexueller Lebenspartnerschaften, denn im letzten Viertel des Films wird der legale Status von Camiels Heirat ein Faktor des Films. Natürlich haben diese Themen auch Relevanz weit über die niederländischen Grenzen hinweg.

Die Produktionsfirma Living Films drehte den thailändischen Teil des Films von Oktober bis November 2003. Der Dreh fand hauptsächlich in Koh Chang, einer tropischen Insel an der Ostküste nahe der Grenze zu Kambodscha statt. Weil es der erste Film war, der auf der Insel gedreht wurde benutzte die Produktion spektakuläre Dschungel, Strand und Wasserfall-Locations.



Der Regisseur:

Eddy Terstall:

Geboren 1964. Studium der Politik und Soziologie an der Universität Amsterdam.
1992 startete er sein Filmschaffen mit seinem Debut-Langfilm "Transit". Fortan führte er Regie und schrieb Drehbücher für einige sehr erfolgreiche Spielfilmproduktionen.

Filmographie (Auswahl):

Transit (1992)
Walhalla (1995)
Babylon (1997)
Rent-A-Friend (1999)
Sextet (2003)


Preise und Nominierungen:

Niederländisches Filmfestival Utrecht 2004:
4 Golden Calfs (Bester Film, beste Regie, bester Darsteller (Cees Geel als Simon) und Publikumspreis)

Oscar-Nominierung 2005

Nominierung für den Europäischen Filmpreis 2005

Tribeca Film Festival New York 2005:
Cees Geel (Simon): Preis für den besten Schauspieler


Links

Trailer zum Film (niederländisch)

Offizielle Website des Films (niederländisch)


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