Cine k in der Kulturetage, Bahnhofstraße 11

Mittwoch bis Samstag, 24. bis 27. Mai 2006 um 20.30 Uhr       
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RollenWechsel präsentiert im Mai ein oscarprämiertes Drama nach einer wahren Begebenheit:

Boys don't cry

Regie: Kimberly Peirce
USA 1999, 118 min, Deutsche Fassung



Teena Brandon ist einsam in Lincoln, Nebraska, lässt sich eines Tages die Haare kurz schneiden, stopft sich ein Polster in den Jeans-Schritt und zieht los. Da schnell herauskommt, wer der gutaussehende unbekannte Mann ist, flieht Brandon aus seiner Heimatstadt ins 75 Kilometer entfernte Dorf Falls City.
Hier gelingt es ihm schon bald die Herzen der Gemeinde im Sturm zu erobern. Die Leute mögen den scheu lächelnden Fremden, der ein super Kumpel ist und dem die Frauen nur so hinterherrennen. Er freundet sich mit Lana Tisdel (Chloë Sevigny) und ihrer Clique an.
Lana, in die sich Brandon verliebt, arbeitet in einer Fabrik, wo sie Spinat abwiegt, lebt mit ihrer Mutter, die zuviel trinkt, und träumt davon, eine professionelle Karaoke-Sängerin zu werden. Sie verliebt sich in Brandon, weil er sie besser behandelt als die anderen Männer. Sie will irgendwo hingehen, Hauptsache raus aus Falls City.
Bei Lanas Freunden John Lotter (Peter Sarsgaard) und Tom Nissen (Brendan Sexton III) läuft wenig bis gar nichts gut. Keine Arbeit, keine Zukunft. Sie haben bereits Zeit im Gefängnis verbracht. John ging früher mit Lana und fühlt immer noch etwas für sie.
Lanas und Brandons Beziehung beginnt ohne Probleme. Sie fühlen etwas füreinander und das Geschlecht macht nicht viel aus. Es gibt für Lana ausreichend Hinweise darauf, dass Brandon weiblich ist, aber sie entscheidet, diese zu ignorieren. Erst ein Strafzettel für zu schnelles Fahren gibt der Clique den ersten Hinweis auf die wahre Identität von Brandon. In Lanas Elternhaus stellen Tom und John Brendon zur Rede und entkleiden ihn gewaltsam nachdem er leugnet eine Frau zu sein. Brendon wird in dieser Nacht brutal von den beiden vergewaltigt und misshandelt. Am nächsten Tag erstattet er Anzeige bei der Polizei. Lana und er beschließen Falls City zu verlassen. Von der Polizei vorgewarnt erschießen John und Tom amoklaufend Brendon und die alleinerziehende Mutter Candace, die Brendon in dieser Nacht Unterschlupf gewährt.

In Anbetracht der außergewöhnlich brutalen Darstellung des Mordes stellte sich für uns die Frage, weshalb diese beiden Themen -Transsexualität und Hassverbrechen- in einem Film so dargestellt werden. Nach einer kurzen Recherche im Internet fanden wir Informationen, die darauf hindeuten, dass es in den USA leider häufig zu sogenannten "Hate Crimes" bei Transgender-Personen kommt. So veröffentlicht die Seite "Gender.org" eine Gedenktafel im Internet, auf der die Namen derer zu lesen sind, die aufgrund ihrer Lebensweise umgebracht worden sind. Der Eintrag zu Brandon Teena lautet: "Brandon (aka Brandon Teena, Tenna Ray Brandon, Teena Brandon) Humboldt, Nebraska 31-Dec-93: Shot to death, then stabbed, by John Lotter and Marvin Thomas Nissen". Außerdem veranstaltet eine Gruppe den "Annual Transgender Day Of Remembrance", der am 20. November 2005 bereits zum siebten Mal an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt stattfand. All dies überzeugte uns, diesen Film zu zeigen, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Trotzdem wollen wir uns hier von der drastischen Darstellung der Gewalt im Film distanzieren: dies hätte nicht unbedingt so sein müssen. Es handelt sich um einen Film, der nachdenklich stimmt und dem man sich nur schwer entziehen kann.
Nicht umsonst hat Hilary Swank für diese Rolle 2000 einen "Oscar", sowie einen "Golden Globe" und einen "Rosebud" auf dem "Verzaubert Filmfestival" erhalten. Es gelingt ihr, den Zuschauerinnen und Zuschauern einen Einblick in die zerbrechliche Gefühlswelt Brandon Teenas zu verschaffen.


Die Regisseurin:

Kimberly Peirce:

Geboren 1967 in Harrisburg, Pennsylvania, studierte Englisch und japanische Literatur in Chicago, arbeitete einige Jahre in Japan als Fotografin und Model,
studierte danach Film an der Columbia University.

Filmographie:

- The last good breath (1994)
- Boys don't cry (thesis 1999)
- The ice at the bottom of the world (2006)
- Silent Star (2006)

 

Pierce war die Tragödie um Brandon Teena offenbar unter die Haut gegangen. Sie brauchte fünf Jahre, um das Geld für den Film aufzutreiben und genügend zu recherchieren.
Hunderte von Schauspielerinnen mußten für die Rolle des Brandon vorsprechen, bis sie sich auf Anhieb für Hilary Swank entschied. Im Flanellhemd, die langen Haare unter einem Cowboy-Hut versteckt, überzeugte sie als "Typ".

Gewichtet hat sie in ihrem Film etwa, indem sie den behinderten, schwarzen Freund Philip DeVine, der zusammen mit Brandon und einer Freundin erschossen wurde, sowie Mörder John Lotters Nähe zu einer Gruppe wegließ, welche "die Überlegenheit der weißen Rasse" vertritt.

Viele Dinge sind in Boys Don't Cry wundervoll umgesetzt. Die Verzweiflung wird eingefangen. Einige der frühen Szenen mit Lana sind besonders eindringlich. Sie trifft Brandon zum ersten Mal in einer Bar, wo sie und ein paar Freunde aufstehen und über "Die blauesten Augen in Texas" singen. Sevigny hat diese schläfrigen Augen und eine Art, die Arroganz und Selbstverleugnung zu gleichen Teilen kombiniert.   "Wer bist du?" fragt sie auf unverschämte Weise, als sie das erste Mal an Brandon vorbeigeht. Als sie sich das nächste Mal treffen, irrt Lana betrunken in einem Lebensmittelgeschäft umher und versucht den Ladenbesitzer zu überreden, ihr Bier zu verkaufen.



Preise (Auswahl):

Academy Awards (Oscar) 2000 für Hilary Swank   (beste Hauptdarstellerin),
 Nominiert für die beste Nebendarstellerin:                Chloë Sevigny

Golden Globe 2000 für Hilary Swank (beste Hauptdarstellerin)

London Film Festival 1999
FIPRESCI Prize: Kimberly Peirce

Verzaubert-International Gay and Lesbian Filmfestival 1999: Rosebud für den besten Film

alle Preise

 

Die Regisseurin über ihren Film:

"Der ganze Punkt ist, dass ich mich in Brandon verliebt habe. Ich fühlte, dass diese Geschichte erzählt werden musste. Die Berichterstattung in den Medien war von Anfang an sehr sensationslüstern. Niemand dachte sich in den Charakter hinein. Niemand wusste jemals von der Liebesgeschichte. Es ging mir darum, ihn zu ehren. Es ging mir darum, die Mechanismen des Hasses zu erkunden, damit so etwas nie wieder passiert."


Links

Weitere Filminfos auf imdb.com (Englisch)

Weitere Filminfos auf transgender-net.de

Trailer zum Film (Englisch)

Interview mit der Regisseurin zum Film (PopMatters)   (Englisch)

Hassverbrechen-Statistik in den USA (FBI)

Gedenkseite ermordeter Transgender (gender.org)

Day of Remembrance 2005 (gender.org)

 


Eure Kommentare zum Film:
post@rollenwechsel.net


 


Lana und Brandon


Lana


Candace, Lana und Kate


Kate, Tom, Candace und Lana


John Lotter, Brandon Teena, Tom Nissen

 


Brandon und Lana


Brandon und Lana


      

Brandon Teena (Hilary Swank)


Brandon