Cine k in der Kulturetage, Bahnhofstraße 11

Mittwoch bis Samstag, 21. bis 24. Juni 2006 um 20.30 Uhr       
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RollenWechsel präsentiert zum CSD NordWest ein knallbuntes Coming-Out:

But I'm a Cheerleader

Regie: Jamie Babbit
USA 1999, 92 min, Deutsche Fassung



Eigentlich scheint mit der 17jährigen Megan Bloomfield (Natasha Lyonne) alles in Ordnung: Ihre College-Leistungen sind hervorragend, ihre Freizeit verbringt sie begeistert als Cheerleader des College-Football-Teams, und seit zwei Jahren geht sie mit dessen Quarterback aus. So weit, so trügerisch die Idylle, das meint zumindest Megan's besorgtes soziales Umfeld, allen voran ihre Eltern. Denn offensichtlich gibt es einige Beweise dafür, dass mit Megan in Wirklichkeit etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist, als da wären: Ein riesiges Melissa Etheridge-Poster in Megans Zimmer, ein relativ spärlich bekleidetes Model in ihrem College-Spind, ihr Vegetarierdasein und die Tatsache, dass Megan beim Küssen ihres Quarterbacks nur mäßig bei der Sache zu sein scheint.
Was also tun? Die um das Wohl ihrer Tochter redlich bemühten Eltern wissen sich schließlich keinen anderen Rat mehr, als Megan für ein paar Monate in das Umerziehungscamp „True Directions“ zu stecken, wo sie auf den rechten, d.h. heterosexuellen Pfad der Tugend zurückgeführt werden soll, damit ihrem weiteren Lebensglück nichts mehr im Wege steht. Im Camp angekommen, muss sich Megan zunächst das Lehrvideo "How to become straight" zu Gemüte führen, bevor die strenge Leiterin Mary J. Brown (Cathy Moriarty) sie mit dem Fünf-Schritte-Programm des Camps vertraut macht.

Folgende Schritte sind von Megan im Laufe der nächsten Monate zu bewältigen:
1. Das Bekenntnis, homosexuell zu sein.
2. Die Wiederentdeckung der eigenen sexuellen Identität.
3. Familientherapie.
4. Die Entmystifizierung des anderen Geschlechts.
5. Das Simulieren des heterosexuellen Sexualaktes.


Schon mit dem ersten Schritt tut sich Megan reichlich schwer, denn sie besteht darauf, zwar überzeugte Vegetarierin und Cheerleader, aber mit Sicherheit keine Lesbe zu sein. Aber in der Gruppentherapie auf dem "heißen Stuhl" in die Mangel genommen, muss sie es sich doch schließlich eingestehen: Ihre heißen Fantasien von den hüpfenden Brüsten ihrer Cheerleader-Kolleginnen während der Zungenküsse ihres Quarterbacks scheinen eindeutig nicht heterosexueller Natur - der erste Schritt wäre getan.
Zum Glück muss Megan die nächsten Schritte nicht einsam vor sich hin absolvieren, sondern übt gemeinsam mit ihren lesbischen und schwulen Leidensgenossen den heterosexuellen Lebensstil. Für die Mädchen steht Sitzhaltung, Staubsaugen, Putzen, Schminken, Hochzeitskleider anziehen und Babywickeln in pinken Kleidern auf dem Programm, für die Jungen ist u.a. in blauen Overalls Holzfällen, Auto reparieren, Krieg spielen und natürlich Sitzhaltung angesagt... Trainer Mike, grandios besetzt mit Vogue-Model und Supertunte RuPaul, war selbst einmal schwul und muss nicht nur einmal seine wahren Gefühle unterdrücken. Zur Auflockerung des Programms trägt bei, dass sowohl die Mädels als auch die Jungs einen eigenen Schlafsaal haben, wo des Nachts und somit jenseits sonstiger Pflichten Zeit ist für - sagen wir - die ein oder andere sonst nicht erlaubte Tätigkeit...
Beim platonischen, gleichgeschlechtlichen "Friendship"-Rollenspiel lernt Megan die Camp-Rebellin Graham (Clea Du Vall) näher kennen und kann bald nicht mehr verhindern, dass diese auch in ihren nächtlichen Träumen eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Doch zunächst sind die Schritte 3 und 4 des "True Direction"-Programms zu bewältigen: Die Familientherapie und die Beschäftigung mit dem anderen Geschlecht.
Beide Schritte verlaufen für alle Beteiligten dermaßen unerfreulich, dass sie schließlich zum Ergebnis kommen, sich jetzt auf jeden Fall eine Aufmunterung im "Cocksucker", einer stadtbekannten Homo-Disco, verdient zu haben. Dort kommt es denn auch zu den ersten Küssen zwischen Megan und Graham.
Bedauerlicherweise bleibt der kleine Ausflug den wachsamen Argusaugen der Mrs. Brown nicht verborgen, und nicht nur das: Auch die erste gemeinsame Nacht von Megan und Graham entgeht ihnen nicht, was natürlich nicht ohne Konsequenzen bleibt. Megan entschließt sich, das Camp zu verlassen und zieht zu den zwei schwulen Männern, die sie ins "Cocksucker" geschmuggelt hatten. Graham jedoch bleibt im Camp zurück, worüber Megan sehr bestürzt ist.
Tja, und so verpasst Megan denn auch den Höhepunkt des 5-Schritte-Programms: Den simulierten heterosexuellen Sexualakt. Keine(r) der beteiligten Camp-BewohnerInnen hat große Freude an dem Rollenspiel. Aber die Chancen stehen gut, dass Megan ihre Graham doch noch für sich gewinnen kann.


Die Regisseurin:

Jamie Babbit:

Geboren 1970, studierte an der Columbia University New York.

"But I'm a Cheerleader" ist nach einigen Kurzfilmen ihr erster großer Kinofilm.

Filmographie (Auszug):

- Frog Crossing (1996)
- Sleeping Beauties (1999)
- Stuck (2001)
- The Quiet (2005)
- TV-Serie: The Gilmore Girls (2003-2006)
- Itty Bitty Titty Committee (2007)

 

Hintergrundinfos:

Clea Duvall (alias Graham) hat bereits in Jamie Babbits Kurzfilm "Sleeping Beauties" mitgespielt, bei dem es sich um eine lesbische Version von Dornröschen handelt, und auch einige Rollen in der Serie "Popular" bei der Babbit z.T. Regie führt.
Natasha Lyonne (Megan), die eine gute Freundin von Clea Duvall ist, kam zu dem Film, als sie das Drehbuch und Duvalls Auto fand und ihren Agenten am nächsten Tag aufforderte, ihr darin eine Rolle zu beschaffen.

Unter den "Patienten" findet sich auch Kinodebütant Kip Pardue, der hier exzessiv Zunkenküsse mit einem anderen Mann austauschen darf und als nächstes bei Sylvester Stallone ins Cockpit stieg (Driven).
Cathy Moriarty (alias Mary J.Brown) spielt köstlich over the top. Ihren Filmsohn gibt Eddie Cibrian ("Say It Isn't So") und bei diesem Typen muss man sich nicht wundern, dass die Boys im Camp feuchte Augen (...) bekommen. Selten hat ein Mann erotischer Hecken geschnitten.

"Umprogrammierungs-Programme" gibt es in den USA wirklich. Ein solches Programm ist 'Refuge' in Memphis, Tennessee, das von einer christlich-fundamentalistischen Organisation betrieben wird. Es richtet sich an Jugendliche von 13-18 Jahren, die von einem Elternteil während des Programms begleitet werden. Ihr Leitspruch: "Finde wahre Freiheit von deinen Neigungen durch die Kraft Jesu Christi." (siehe auch: Link unten).



Preise (Auswahl):

Publikumspreis für den besten Film beim Créteil International Frauenfilmfestival Paris (1999)

Jamie Babbit für die Regie beim Créteil International Frauenfilmfestival Paris (Graine de Cinéphage Award, 1999)

Abschlussfilm der schwul-lesbischen Festivals in San Francisco und London (1999)

Gewinnerfilm bei Queermaxx (bester Film der Saison 2001/02)

 

Die Regisseurin über ihren Film:

"Viele Gags im Film sind direkt aus den echten Camps entnommen. Wie zum Beispiel, dass alle die 'Wurzel' ihrer Homosexualität suchen müssen, und dann herausfinden, dass sie schwul sind, weil ihr Vater arbeitslos war oder ihre Mutter in Hosen geheiratet hat oder sie in Frankreich zur Welt gekommen sind."


Links

Offizielle Webseite des Films

Weitere Filminfos auf pro-fun.de

Trailer zum Film

Interview mit der Regisseurin zum Film (film.at)

Bericht über Umerziehungsprogramm in Tennessee      (Englisch, pridesource.com)

Bericht über Anklage gegen das "Department of Child  Services" in Tennessee (Englisch, Tennessean.com)

 

Eure Kommentare zum Film:
post@rollenwechsel.net

 

 

 

 

 


Graham und Megan

 


 


Mike

 


Mary J. Brown und Rock Brown

 

 

 


 

 

 

 


Mrs. Mary J. Brown

 


Megan und Graham