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Mittwoch 24.1.2007 bis Samstag 27.1.2007 um 20.30 Uhr      


RollenWechsel präsentiert schwules Kino, das unter die Haut geht:

Mysterious Skin

Regie: Gregg Araki
NL, USA 2004, 99 min., OmU



Neil und Brian leben in einer kleinen Stadt in Kansas und haben bis auf die Tatsache, daß sie in demselben Baseballteam spielen, wenig Gemeinsamkeiten. Neil ist mit seinen 8 Jahren schon recht aufgeweckt und der Liebling des Trainers. Er fühlt sich zu seinem Baseballcoach hingezogen , der seine Gefühle, für ihn überraschend, erwidert. Es entsteht eine Beziehung zwischen den beiden, die aus Liebe, Geheimnis und Abhängigkeit besteht.

Der gleichaltrige Brian hingegen ist eher ungeschickt. Als es eines Tages aufgrund eines Regenschauers zu einem Spielabbruch kommt, werden alle Kinder bis auf Brian abgeholt. Später wacht er mit Nasenbluten aus einer Ohnmacht im heimischen Keller auf und kann sich an nichts erinnern, was in den letzten fünf Stunden passiert ist.

Zehn Jahre später ist Brian (Brady Corbet) überzeugt davon, dass er während seines Blackouts von Außerirdischen entführt wurde. Die Alpträume, die ihn seit der fraglichen Nacht plagen, handeln von schrecklichen Experimenten, die man an ihm durchführte. Immer wieder erkennt er aber auch einen Jungen in seinen Visionen, über die er penibel Buch führt. Dank einer Fernsehsendung findet er Kontakt zu einer anderen „Entführten“. Zusammen mit ihr macht er den Namen des Jungen ausfindig. Es handelt sich um Neil (Joseph Gordon-Levitt), mit dem er vor Jahren im selben Baseballteam war.

Zur gleichen Zeit macht Neil in seinem Provinzheimatstädtchen erste Erfahrungen als Stricher und verbringt die meiste Zeit mit seinen Freunden Wendy und dem ebenfalls schwulen Eric. Während Neils sexueller Entdeckungsdrang ihn nach New York führt, findet der völlig verstörte Brian auf der Suche nach seiner eigenen Identität zu Neil.
Bald wird beiden klar, dass sich ihre Probleme nur mittels Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit lösen lassen.

 

Hintergrundinfos:

Der bisexuelle, asiatisch-amerikanische Skandalregisseur Gregg Araki hat mit seinem achten Film zum ersten Mal die Geschichte eines anderen Autors verfilmt. Scott Heims poetischen Roman mit seinen dunklen und kontroversen Komponenten zu realisieren sei ihm erst nach mehrjährigen Experimenten mit der subjektiven Kamera gelungen.
So zeigt er die Perspektive der Kinder und Jugendlichen aus nächster Nähe und verleiht dem Zuschauer das Gefühl, in der unbequemen Haut der vorstädtisch-mittelständischen Jugendlichen zu stecken.
Araki gelingt es damit vorzüglich, Verletzlichkeit und fehlende Kontrolle der Protagonisten in ein beklemmendes Filmerlebnis zu verpacken. Die impliziten Gewalttätigkeiten und harten, homosexuellen Akte gehen nicht selten an die Grenze des Zumutbaren.

 

Der schwule Neil wächst in einer amerikanischen Kleinstadt auf.
Neil McCormick

Neils freigeistige Mutter gibt ihren Sohn in die Obhut des Baseballtrainers.
Neils Baseballcoach, seine Mutter und Neil im Alter von 8 Jahren

Wurde Brian von Außerirdischen entführt?
Brian mit seiner Familie

Brian, Eric und Wendy genießen ihre Jugend.
Neil, Eric, Wendy

Neils Mutter weiß nicht, daß Neil sich gerne für Sex bezahlen lässt.
Neil und seine Mutter
Wendy und Neil sind beste Freunde.
Wendy und Neil

Brian und Avalyn sind sexuell sehr verstört.
Brian Lackey und Avalyn Friesen

Neil, Eric und Neils Mutter bei Neils Abreise nach New York.
Neil, Eric, Neils Mutter

Neil macht erste Erfahrungen als Stricher in New York.
Neil in New York

Neil in New York.
 Neil

Der Coach trainiert die Panthers.
Baseballcoach mit den Panthers

Brian und Neil arbeiten ihre Vergangenheit auf.
Neil und Brian

Mit Joseph Gordon-Levitt hat sich Araki einen der zurzeit talentiertesten Jungdarsteller ins Boot geholt. Sein Neil ist hart, rücksichtslos und trägt an der Stelle des Herzens ein schwarzes Loch, wie seine beste Freundin Wendy (Michelle Trachtenberg) im Film sagt. Und doch schafft es Gordon-Levitt durch diese harte Schale immer wieder Verletzlichkeit durchblitzen zu lassen. Seine Leistung knüpft nahtlos an seine famose Darstellung in „Brick“ an. Dass Brady Corbet als Brian da nicht ganz mithalten kann, ist ihm nicht übel zu nehmen, vor allem weil Neil im Fokus des Betrachters liegt. Als erfahrenen Beistand hat man Elisabeth Shue gewinnen können, die als jugendliche Mutter einige Sympathien sammelt und ihre Rolle sehr gut ausfüllt. Michelle Trachtenberg übernimmt die Rolle des lebenserfahrenen Schutzengels und weiß zu begeistern, vor allem weil man ihr eine derartige Rolle gar nicht zugetraut hätte. Des weiteren sind die wichtigeren Rollen mit Bill Sage, Mary Lynn Raiskub, Jeffrey Licon und als Gaststar Billy Drago blendend besetzt.

 

Gregg Araki hat Mut bewiesen und sich an die äußerst gewagten Thematiken Pädophilie und Prostitution herangewagt. Erstaunlich sensibel und leichtfüßig gleitet „Mysterious Skin“ mit Hilfe von 2 grundverschiedenen Geschichten durch seine 99 Minuten Laufzeit, ohne dabei aber zu harmlos zu bleiben.
Die realistischen, ungeschönten Bilder in Mysterious Skin sowie die handfeste Thematik sorgten dafür, dass der Film in den USA die höchste Altersfreigabe erhielt und von konservativen Gruppen verteufelt wurde.

 

Der Regisseur:

Gregg Araki:

1959 geboren, gehört Gregg Araki zu den Begründern des New Queer Cinema. Er studierte an der School of Cinema-Television der University of Southern California. Bekannt wurde Araki insbesondere durch seine tabulosen Billigproduktionen wie die Teenage Apocalypse Triology und TV-Produktionen für MTV.

 

Filmographie (Auszug):

Rescued From the Closet (2001)
Splendor (1999)
Nowhere (1997)
Doom Generation (1995)
Totally F***ed Up (1993)

 

Kritiken:

„Ein Film, der unter die Haut geht, sich im Hirn festsetzt und den man lange nicht vergessen kann und auch nicht sollte.“ - Cinefacts.de

„Neils und Brians hilflose Versuche der Bewältigung und der Verdrängung gehören zum Anrührendsten, was das amerikanische Independent-Kino in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat.“ - Die Zeit

 

Preise:

Jury-Award Bergen international Filmfestival
MovieZone Award Rotterdam International Film    Festival
Golden Space Needle Award für
    den besten Darsteller (Joseph Gordon-Levitt als Neil)     den besten Regisseur (Gregg Araki)
   Seattle International Film Festival

 

Links

Interview mit dem Regisseur (englisch)

Kritik zum Film auf celluloid-dreams.de

Trailer zum Film (englisch)

Homepage des Regisseurs

Pressemappe (PDF)