Cine k in der Kulturetage, Bahnhofstraße 11                            Kartenreservierungen                            


Mittwoch 16.1.2008 bis Samstag 19.1.2008 um 20.30 Uhr      


RollenWechsel präsentiert einen südamerikanischen Film zwischen Traum und Realität.

Der Nachtschwärmer

Regie: Edgardo Cozarinsky
Argentinien/Frankreich 2005, 81 min., OmU


In der Nacht von Allerheiligen, so geht ein Volksglaube in Argentinien, kehren die Toten für einige Stunden auf die Erde zurück, um sich für kurze Zeit mit ihren einstmals Geliebten wieder zu vereinigen und diese zu sich zu holen. Für Victor (Gonzalo Heredia) allerdings, einen 19-jährigen Stricher und Dealer aus Buenos Aires, ist es eine Nacht wie jede andere auch – zunächst zumindest. Der Nachtschwärmer lässt sich ziellos durch die Straßen treiben, hat ein Rendezvous mit einem veritablen Kommissar (Gregory Dayton), der schließlich die Entlohnung für Victors Liebesdienste verweigert, dem jungen Mann dann aber Protektion und Schutz vor Strafverfolgung gewährt. Wenig später beobachtet Victor eine seltsame Szenerie: Eine junge Frau stößt ihren Geliebten scheinbar ungerührt vor ein heranbrausendes Auto. Plötzlich ist alles anders, und von nun an geschehen lauter seltsame Ereignisse, die sich Victor nicht erklären kann. Zweimal entkommt er nur knapp dem Tod, er trifft einen Taxifahrer (Raffael Ferro), mit dem er zärtliche Stunden verbringt und der ihn trotzdem beinahe umbringt, um im nächsten Moment wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Es dauert schließlich bis zum nächsten Morgen, bis Victor versteht, was um ihn herum wirklich vor sich geht…

 

Der Nachtschwärmer / Ronda Nocturna von Edgardo Cozarinsky ist ein traumwandlerischer Film, der von einer außergewöhnlichen Nacht erzählt, in der sich Himmel und Erde, Totenreich und die graue und triste Realität Argentiniens auf magische Weise miteinander verknüpfen und dem Leben des Strichers Victor eine ganz neue Wendung geben. Zielsicher balanciert der Film in einem Zwischenreich zwischen Phantasie, Wirklichkeit und Aberglauben und entwirft dadurch eine grandiose Seelenlandschaft und ein Stimmungsbild Argentiniens, das weitaus mehr erzählt als nur die Geschichte einer magischen Nacht. Eine Parabel auf ein Land, dessen Tote und Schreckgespenster der Vergangenheit noch lange nicht zur Ruhe kommen werden.

(Joachim Kurz)

 

 

Der Regisseur:


(c) Daniel Pessa

Edgardo Cozarinsky

Edgardo Cozarinsky wurde 1939 in Buenos Aires als Sohn russischer Emigranten geboren. 1974 verließ er wegen der dramatischen politischen Situation nach dem Tod Juan Perons Argentinien und ging ins Exil nach Frankreich. Er lebt als Autor und Filmemacher in Paris und beschäftigt sich in seinem literarischen und filmischen Werk mit Borges, Cechov und Nabokov.

 

Filmographie (Auszug):

“Dans le rouge du couchant" (2003)
“Tango deseo" (2002)
"Fantômes de Tanger" (1998)
"Le Violon de Rothschild" (1996)

 

Kritiken:

Es ist der erste Film seit Jahrzehnten, den der Exil-Argentinier Edgardo Cozarinsky wieder gänzlich in seiner Heimat drehte. Dabei zeigt er nicht die Glitzerfassaden der Metropole, sondern die Kehrseiten. Und lenkt den Blick immer wieder auf Bilder, bei denen man sonst gern wegschaut: die Einsamen in den Bars, Kinder auf der Straße; Bettler und Lumpensammler, die den Müll plündern; Obdachlose, die auf den Parkplätzen schlafen, wo die Stricher sich ihren Freiern hingeben. Cozarinsky zeigt das ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit melancholischem Humor.
(Berliner Morgenpost)

 

Der Regisseur: Der Argentinier Edgardo Cozarinsky ("Der Krieg eines Einzelnen") verwandelt seine raue Heimat Buenos Aires in ein märchenhaftes Zwischenreich: "Nachtschwärmer" beginnt ganz sachlich im Treiben des Stadtmolochs. Doch nach und nach mischen sich unwirkliche Momente unter die dokumentarischen Bilder. Am Ende wirkt Victors Streifzug durch die Nacht wie ein sonderbarer Traum von Liebe und Einsamkeit. - Ein faszinierender Trip durch einen magischen Großstadtdschungel.
(Hamburger Morgenpost)

 

Links:

Offizielle Internetseite des Films

Linkliste von filmz.de

Seite des Filmverleihs Salzgeber