Neu: Rollenwechsel ist jetzt im

CinemaxX Oldenburg, Stau 79-85, Oldenburg
                 

Sonntag, 8.3.2009 um 17:00 Uhr      

RollenWechsel präsentiert im März einen Kultklassiker des homoerotischen Films.

Sebastiane
Regie: Derek Jarman, 

GB 1976, 85 min, OmU

Kurzinhalt:

Der Heilige Sebastian, ein nackter Jüngling, gefesselt, den Blicken der Öffentlichkeit ausgesetzt, von Pfeilen durchbohrt. Kaum ein Motiv der christlichen Mythologie hat Künstler so sehr inspiriert. In seinem Spielfilmdebüt zeigt Derek Jarman („Caravaggio“, „Blue“) die letzten Tage des Heiligen in der Tradition der Renaissancekünstler- und gleichzeitig als moderne schwule Ikone. Ein Kult-Klassiker und Meisterwerk des erotischen Kinos.

Inhalt und Hintergrund:

Historisch gesehen war Sebastian um 303 n.Chr. ein Offizier der kaiserlichen Wache im Palast Diokletians. Der Kaiser war eigentlich für seine Toleranz gegenüber den Christen bekannt. Aber Unruhen und Anschläge auf seinen Palast ließen ihn seine Haltung ändern und er befahl einen Vergeltungszug gegen all die Bürger, die sich nicht öffentlich zu den alten Göttern bekannten. Damit begann die letzte der großen Christenverfolgungen.

Der Film setzt ein, als der Kaiser aus Anlass seines 20-jährigen Herrschafts-Jubiläums von Tänzern ein Fruchtbarkeitsritual aufführen lässt. Auf dem Höhepunkt des Abends wird ein junger Page der Zugehörigkeit zum Christentum bezichtigt und soll exekutiert werden. Sebastian, der Führer der kaiserlichen Wachgarde und Favorit des Kaisers, protestiert und wird daraufhin selbst verdächtigt, ein Christ zu sein. Seiner Ämter enthoben, wird der junge Mann zu einem entfernten Außenposten der kaiserlichen Soldaten entsandt. Dort, in einer Atmosphäre aus Langeweile, erotischer Aufladung und alltäglichem Kräftemessen, isoliert er sich zunehmend von der Gruppe seiner Kameraden, die ihn ihrerseits immer argwöhnischer beobachten. Besonders angespannt ist die Beziehung zu seinem Hauptmann Severus, der heimlich in den jungen Soldaten verliebt ist. Als die sadistischen Tendenzen des Hauptmanns mehr und mehr in Sebastians Märtyrerhaltung und Verweigerung ihr Ziel finden, setzt sich eine Dynamik in Gang, die schließlich mit Sebastians Hinrichtung endet.


Sebastian wurde schnell zu einem der populärsten katholischen Heiligen. Der nackte schöne Soldat, von Pfeilen durchbohrt und den öffentlichen Blicken ausgesetzt, ist aber auch seit jeher eine schwule Ikone. Eines der wenigen künstlerischen Themen (vor allem in der Renaissance), in denen der nackte männliche Körper gefeiert werden konnte, aber auch ein komplexes erotisches Motiv mit Elementen des Masochismus wie des Voyerismus.
In seiner schwulen Aufladung ist der durchbohrte Körper des Heiligen einerseits ein Hinweis auf Zeiten in denen schwules Begehren sich des Bildrepertoires einer repressiven christlichen Kultur bediente, um sie mit anderen Bedeutungen auszustatten – andererseits war darin der begehrende schwule Blick auf den männlichen Körper immer auch mit Gefahr, Martyrium und Zensur verbunden.

Für Jarman ging es in SEBASTIANE vor allem um Homosexualität. „Es ist vielleicht der erste Film überhaupt, der Homosexualität als gesellschaftliches Faktum herausstellt, das überhaupt nicht hinterfragt wird – als Antwort auf all die anderen Filme, in denen Heterosexualität als Normalität vorausgesetzt wird und ihrerseits niemals hinterfragt wird. Das ist auch nicht – wie andere Filme vorher – ein Film für ein Ghetto-Publikum – oder für ein heterosexuelles für das schwule Beziehungen von außen als ‚etwas Besonderes‘, als soziales oder persönliches Problem dargestellt werden. In unserem Film geht es um eine Gruppe von Männern, isoliert von der restlichen Gesellschaft – das ist ein Labor vieler möglicher Arten von Beziehungen – die leider, wie es Sebastians apollonische Phantasien schon vorwegnehmen, seitdem bis heute aus der sozialen Welt verdrängt wurden und werden“, so Jarman in Interviews zum Filmstart.




Kritiken:

"Vielschichtiger und reicher an Anspielungen und Bezügen geht kaum mehr – „Sebastiane“ ist ein Kultklassiker des homoerotischen Films, eine Verbeugung vor den Meistern der Renaissance, eine kontroverse Neuinterpretation christlicher Mythologie und eine treffende Auseinandersetzung mit dem gefährlichen Zusammenspiel von Eifersucht, Obsession und Macht. Mit seinem Regiedebüt vereint Derek Jarman großes Kino und große Kunst in perfekter Harmonie."
9 von 10 Sternen bei filmstarts.de

"Derek Jarmans 1976 entstandenes Debüt ist für Zweierlei bekannt: Als erste Produktion, die komplett auf Latein entstand. Und als Softcore-Schwulenepos, das sich auf homosexuelle Aspekte des Leidenswegs des heiligen Sebastians verlegt und mit den Mitteln des Kunstfilms umsetzt."
kino.de